Wikinger im europäischen Teil Russlands

  
Während drei Jahrhunderten, nämlich von ca. 750 bis 1050, kamen Skandinavier ins europäische Russland und gründeten den Staat Rus. Sie betätigten sich als Kaufleute, Abenteurer, Söldner, Herrscher, Bauern, politisch verbannte und Plünderer. Über die Bedeutung der Worte Wikinger, Russland, Rus und Waranger ist viel diskutiert worden. Die Bedeutung des Wortes Wikinger wurde hauptsächlich durch die Ereignisse  im Westen geprägt.
  Es ist daher vielleicht besser, bei der Erörterung des Ostens, die westlichen Nordmänner Skandinavier zu nennen. Russland existiert in dieser Zeit noch nicht, ebenso wenig wie das damalige Russland alle Gebiete umfasst in denen Skandinavier aktiv waren. Kiew beispielsweise liegt in der Ukraine und Polozk in Weißrussland. Daher ist „europäisches Russland" die beste Bezeichnung für das Gebiet zwischen Nordpolarmeer und Schwarzen Meer und zwischen Polen und dem Ural.  


  Über die Ursprünge des Wortes Rus gibt es beträchtliche Kontroverse. Die vielleicht beste These lautet, dass es sich vom westfinnischen Namen für Schweden, Ruotsi, herleitet. Die Finnen des Nordwestlichen Russlands verwendeten diesen Ausdruck vermutlich für die Skandinavier, die in ihren Landen auftauchten, und die Ostslawen wandelten es zu Rus ab. Das Wort Warjager/Waräger wurde auch für die Skandinavier im Osten genutzt, aber viele behaupten, dass es später auftauchte als der Ausdruck Rus und vornehmlich zur Kennzeichnung jener Skandinavier verwendet worden sei, die in die militärischen Dienste der russischen Fürsten und byzantinischen Kaiser eintraten. Die Skandinavier die aus dem Westen Europas ins europäische Russland zogen, sahen sich in einer völlig anderen Umgebung wieder.          War das Räuberleben im westlichen Europa eher mühelos und erfolgreich, die reichen Städte und Klöster entlang der französischen Küste waren ohne einen größeren Aufwand zu plündern, mussten sich die Skandinavier im europäischen Russland weit auf Flüssen ins Landesinnere vorwagen.Die Räubereien im Landesinneren waren gefährlich. So konnten die Hilfstruppen der Chazaren vom Kaspischen Meer den Fluchtweg leicht  blockieren.
    Diese Art von Geschäften war also wenig lukrativ und die Nordmänner entschieden sich nach kurzer Zeit für die weitaus zivilere Art ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und begannen Tierfelle aus dem Nordosten „ihres“ Reiches an die Bewohner des Westens-, und das im Nordosten knappe Getreide aus dem Westen an ihre russischen Freunde zu verkaufen.

  Es entstand ein reger Handel, und die einst so    gefürchteten Männer des Nordens wurden zu Geschäftsfreunden der gesamten mitteleuropäischen Welt. Nur einige Jahre nach dem Ende der eigentlichen Wikingerzeit, wurden die Handelsaktivitäten der Skandinavier von ihren Erben kopiert und die Hanse wurde in Lübeck gegründet.     Genau wie ihre Vorfahren erstreckte sich das Handelsgebiet der Händler bis weit in den Osten hinein- bis nach Nowgorod dem Ziel unserer Reise.